Sollten wir Cannabis legalisieren? Eine Betrachtung der Gegenargumente

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Ich habe ja schon länger nichts mehr geschrieben. Heute will ich mich aber mit einem aktuellen Thema zurückmelden:

Sollten wir Cannabis legalisieren?

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Hierbei handelt es sich nicht um Cannabis.

Kurz will ich zusammenfassen, was für die Legalisierung spricht:

  • Keine Kriminalisierung von hamlosen Konsumenten
  • Jugendschutz ("Der Dealer kontrolliert selten den Ausweis.")
  • Verbraucherschutz (Kontrolle gegen Streckmittel, Düngerrückstände, Informationen zu den Wirkstoffkonzentrationen, …)
  • Bessere Präventionsmöglichkeiten, da Konsum nicht verheimlicht werden muss
  • Steuereinnahmen
  • Weniger Einkünfte illegaler Organisationen (inklusive Terrororganisationen)
  • Weniger Gewalt im Rahmen von Produktion und Verkauf
  • Weniger Opiodtote
  • Entlastung der Polizei und der Gefängnisse

Diese Punkten sollten mehr oder weniger selbsterklärend sein.

Aber was spricht denn gegen eine Legalisierung?

Dazu will ich im Folgenden häufig genannte Argumente besprechen.


"Cannabis ist nicht harmlos!"

Wisst ihr was: Das bestreite ich gar nicht. Natürlich kann auch Cannabis abhängig machen. Natürlich sollte man nicht unter Einfluss von Drogen Auto fahren. Natürlich hat der Konsum (insbesondere der häufige Konsum) auch negative Aspekte, z.B. für Lunge oder Gehirn. Insbesondere jungen Menschen ist also eher davon abzuraten.

ABER: Das sind Gründe, die gegen den Konsum von Cannabis sprechen. Es geht aber nicht darum, ob man den Konsum befürwortet, sondern die Legalisierung. Denn: Konsumiert wird so oder so. Das Verbot kann das nicht verhindern. Nicht einmal in den Gefängnissen.

Kann das Verbot den Konsum zumindest erheblich reduzieren? Ein Blick in die Länder, die Cannabis bereits legalisiert haben zeigt: Nein! Es fängt nicht plötzlich jeder an, Cannabis zu konsumieren. Interessanterweise ist teilweise der Konsum von jungen Menschen sogar etwas zurückgegangen.

Letztlich geht es daher nur um die Frage: regulierter Markt (mit den oben genannten Vorteilen) oder Schwarzmarkt?

Merke: "Eine Legalisierung zu befürworten, bedeutet nicht, den Konsum gutzuheißen!"


"Sollen wir auch Mord legalisieren, weil das Verbot diesen nicht verhindern kann?"

Das wird teilweise als Gegenargument gegen "Das Verbot kann den Konsum nicht verhindern" vorgebracht. Letzlich ist das aber bei genauerer Betrachtung unsinnig.

Mord ist eine der höchsten Formen der Fremdschädigung. Schon alleine aus dem Strafzweck "Rache" ist hier wohl schon eine Strafe geboten. Auch kann man wohl davon ausgehen, dass hier die potentielle Strafe (zusammen mit der hohen Aufklärungsquote) einen größeren Abschreckungseffekt hat.

Beim Drogenkonsum geht es dagegen um potentielle Eigenschädigung. Eine Schuld, die hier bestraft werden muss, erkenne ich nicht. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich übrigens die Prohibition für nicht rechtmäßig halte. Strafe setzt in meinen Augen Schuld voraus. Wenn man diese schon alleine darin sieht, dass jemand gegen das Gesetz handelt, ist man einem Zirkelschluss ausgesetzt. Die Strafe würde sich quasi stets selbst rechtfertigen.


"Wir brauchen nicht noch eine legale Droge!"

Das ist in meinen Augen kein Argument.

Versteckt ist darin allerdings das Argument: "Ich will nicht, dass mehr Menschen Drogen konsumieren!". Das ist jedoch nicht zwingend mit einer Legalisierung verbunden, wie oben erklärt. Tatsächlich reduziert es gleichzeitig den Konsum anderer, teilweise viel gefährlicherer Drogen (insbesondere sogenannter "legal highs").


"Warum legalisieren wir nicht gleich Heroin?!"

Da sind letztlich zwei Argumente versteckt:

Zum einen die These von Cannabis als Einstiegsdroge. Diese dürfte mittlerweile aber eigentlich widerlegt sein.

Zum anderen aber auch das Argument, dass die Legalisierung einer Droge zwangsläufig auch zur Legalisierung anderer Drogen führt.

Ich finde: Warum nicht? Ich will hier nochmal ausdrücklich betonen: Ich befürworte nicht den Konsum von Heroin. Trotzdem bezweifle ich stark, dass das Verbot die Gefahren von Heroin verbessert oder den Konsum verindert.

Bei Heroin sind wohl teilweise 10 % Streckstoffe, die sogar für den Großteil der körperlichen Schäden verantwortlich sind. Wenn einmal weniger gestreckt ist, führt das nicht selten zu Überdosierungen. Eine Packungsbeilage existiert ja nicht. Umgekehrt denke ich nicht, dass das Verbot viele Menschen stärker abschreckt als die Folgen des Konsums. Ich sage nicht, dass es Heroinautomaten an jeder Straßenecke geben soll. Aber eine kontrollierte Abgabe halte ich für sinnvoller als den Verkauf durch Dealer.


"Beim (Zigaretten-)Rauchen wurde man die letzten Jahre weiter eingeschränkt, hier will man das Gegenteil tun. Das ist doch widersprüchlich!"

Nein, ist es nicht. In beiden Fällen geht es um eine Regulierung, um die verschiedenen Risiken zu minimieren. Um den Schutz von Konsumenten und Dritten ("Passivrauchen"). Das Verbot ist nämlich nicht die ultimative Regulierung, vielmehr verhindert er diese.


Mein Fazit:

Ich habe noch kein überzeugendes Argument gegen eine Legalisierung gehört.

Je nach genauer Ausgestaltung sind damit natürlich dennoch auch gewisse Nachteile verbunden. Ich fände es z.B. falsch, wenn für den Konsum für Drogen (einschließlich Alkohol) zu offensiv Werbung gemacht werden darf. Es klingt vielleicht langweilig, aber auch in diesen Bereichen halte ich eine Regulierung für sinnvoll.

Was meint ihr?



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6 comments
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Selbst wirklich
reines Heroin / Kokain
ist harmlos,
(Bis auf die Abhängigkeit
aber schaut euch mal
Nikotin / Coffein / Alkohol an)
nur die ganzen Streckstoffe
machen das erst so gefährlich. 😵

Cannabis hat so viel Potential,
meine Frau und ich
nehmen auch jeden Tag CBD Tropfen ein.

Bei ihr ist es wegen
ihrer PTBS / Depression
und bei mir
wegen meinem
Borderline / MS. 🥴

Wir können bestätigen,
das Zeug funktioniert
(Sie konnte dadurch,
ihre Anty-Depressiva
und das Schlafzeug
absetzten
und bei mir
sehen die MRT Bilder
wesentlich besser aus,
als mit den eigentlichen Medis.
Ebenfalls hat man deutlich
mehr Lebensqualität)
wird aber leider
viel zu selten von den
Kassen übernommen.
Zahlen also
die gesamte Geschichte mlt. selbst... 🤐

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Es ist letztendlich egal, ob etwas legalisiert wird oder nicht. jeder nimmt sowieso die Drogen, die er nehmen will.
ich halte Legalisierungen sogar für gefährlicher, weil in baldiger Zukunft Lebensrisiken dokumentiert werden. (Es sieht so aus, dass Datenschutz auch nur eine Schönwetterveranstaltung ist und Geldflüsse bald komplett nachzuvollziehen sind.)

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Die Folgen der Prohibition lassen sich z. B. sehr gut an der jüngeren Vergangenheit von Kolumbien und der Gegenwart in Mexiko ablesen. Und Al Capone ist hier eh der Klassiker.

Höchst interessant und aufschlussreich ist folgende Arbeit zur Cannabis-Prohibition: https://www.grin.com/document/96469
Harry Anslinger dürfte jedem, der sich mit dem Thema befasst hat, ein Begriff sein.

Ich plädiere auch hier für etwas, was in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr abhanden gekommen ist (wie man besonders extrem in den meisten Ländern am unsäglichen Umgang mit COVID-19 sieht):

  • Eigenverantwortung bei den Erwachsenen
  • angemessene Aufklärung der Kinder und Jugendlichen
  • absolute Straffreiheit jeglicher Eigenschädigung
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Noch mehr Steuergelder für die organisierte Terrororganisation namens Staat?
Was ist mit Eigenverantwortung?

Passend zu den aktuellen Forderungen nach Maßnahmen gegen Ungeimpfte, sowie einem Lockdown nur für Ungeimpfte, fordere ich: Sezession!

Dann ist das mit dem bösen Cannabis ebenfalls gelöst.

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Grundsätzlich stehe ich einer Legalisierung und damit einer Regulierung nicht im Wege. Ein wichtiger Aspekt ist in meinen Augen allerdings die Gesundheitsversorgung. Gerade im Hinblick auf harte Drogen sehe ich hier sehr hohe Kosten, die natürlich auch jetzt beim illegalen Konsum von der Allgemeinheit (Krankenkassen) getragen werden.
Für mich wäre ein guter Kompromiss zu legalisieren, schließlich handelt da jeder mit seinem eigenen Körper, dies aber bei der Beitragsgestaltung zu berücksichtigen. Das gilt natürlich auch für Zigaretten und Alkohol.

Ein anderes Thema ist dann allerdings noch wenn Kinder im Spiel sind. Soll man Eltern von Kleinkindern Drogen konsumieren lassen? Was wird dann mit den Kindern? Hier sehe ich akutr Gefahr für Leib und Leben des Kindes.

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